Spracherwerb mit digitaler Kompetenzentwicklung

Die Lebens- und Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Die Auswirkungen der Digitalisierung wirken sich auf viele Bereiche der Lebens- und Arbeitswelt aus und erleichtern oder erschweren unter Umständen eine gesellschaftliche Teilhabe. Für viele Menschen – und hier vor allem Menschen mit geringen Sprachkenntnissen oder auch einem geringen Bildungsniveau – werden Handyverträge, Beipackzettel für Medikamente, Banküberweisungen oder Sicherheits- und Arbeitsschutz-bestimmungen im Betrieb zu ernsten Hürden.
Die Nutzung von Computern und der Umgang mit digitalen Medien ist aus unserer Lebens- und Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken und auch Routinearbeiten oder niedrigschwellige Helfertätigkeiten verschwinden immer mehr aus den Betrieben. Die Schulung von Medien-kompetenzen bildet somit einen wesentlichen Kern in der Grundbildung und Erwerbswelterfahrung. Zugang zu Inhalten im digitalen Umfeld erlangen, grundlegendes Wissen über digitale Medien (Internet, WhatsApp, Übersetzungsapp etc.) und deren Nutzung bekommen und ein-sich-zu-Eigenmachen von medialen Möglichkeiten, darum muss es gehen.
Der Erwerb einer digitalen Kompetenz kann somit als Querschnittsaufgabe mit dem Erlernen der Sprachkompetenz einhergehen. Wie gehe ich zielgerichtet bei der Informationssuche im Internet vor? Wo und warum muss ich auf Datensicherheit achten? Welche Lern-Apps können den Lernerfolg befördern? Was muss ich im Umgang mit SMS oder WhatsApp berücksichtigen? Wie können Lehrfilme oder digitale Lernprogramme mit e-Videos lerntechnisch effektiv unterstützen?

Ziel der Förderung von Menschen mit geringen Kenntnissen in der deutschen Sprache ist es demnach, ein lebensnahes alltagsorientiertes Sprachhandeln unter zur Hilfenahme digitaler Medien zu erzielen. Es steht weniger die Vermittlung von Grammatik im Vordergrund, sondern viel mehr die Kommunikation am Arbeitsplatz, der Umgang mit Behörden und Organisationen und vor allem das Kennenlernen der Arbeitswelt.

Folgende Ziele aus der Lebens- und Arbeitswelt werden neben der Vermittlung demokratischer Werte unter Einbeziehung digitaler Medien u.a. behandelt:

- Ämter und Behörden: nach relevanten Ansprechpartnern fragen, Anweisungen verstehen, einfache Formulare verstehen und ausfüllen. Formulare im Internet suchen, zuordnen und ausfüllen können
- Bewerbung: Bewerbungsunterlagen am PC erstellen, unterschiedliche Formen der Bewerbung kennenlernen, üben von Vorstellungsgesprächen mit Videounterstützung.
- Kommunikation: begrüßen und verabschieden, sich selbst vorstellen und andere nach dem Namen fragen, buchstabieren und sich am Telefon melden können, Arbeitsgesprächen im Betrieb folgen können, im beruflichen Kontext sprachlich angemessen agieren können, Absprachen verstehen. Gespräche per Video aufzeichnen und reflektieren.
- Zeitlicher Rahmen: Uhrzeit und Wochentage nennen, Öffnungszeiten, Schilder und Aushänge verstehen.
- Gesundheit und Krankheit: sich ordnungsgemäß krank melden, Körperteile benennen, das Befinden ausdrücken,
- Vorschriften verstehen und umsetzen: Bedienungsanleitungen, Sicherheitsbestimmun-gen, Tätigkeitsbeschreibungen und Informationen über komplexere Arbeitsabläufe verstehen und mit eigenen Worten wiedergeben können.
- Arbeitsabläufe: Arbeitsaufträge, Angebote und Vorschläge entgegennehmen bzw. formulieren und ggfs. darüber in einfacher Sprache verhandeln können, Produkte, Leistungen und Arbeits-ergebnisse aus dem eigenen Fachgebiet sowie die eigene Abteilung bzw. den eigenen Betrieb beschreiben und Nachfragen dazu beantworten können. Einsatz von e-Lernvideos zur Unter-stützung.
-Praktische Umsetzung: Betriebsbesichtigungen in unterschiedlichen Branchen

Bei den hier aufgeführten thematischen Schwerpunkten wird jedoch immer auch auf die Bedarfslage der jeweiligen Lerngruppe eingegangen, um einen ersten wesentlichen Lernerfolg zu erzielen.

Auskunft erteilt:
Marianne Klocke-Kramer

m.klocke-kramer@awbev.de
Tel.05222-962965/25